Chronik

 

Wie alles begann:

Vor über 100 Jahren gab es in Altikon einen Männerchor und einen Gemischten Chor. Aus Mangel an kräftigen Männerstimmen wurde der Gemischte Chor aufgelöst.

 

Die Töchter des Dorfes wünschten aber weiter zu singen und so gründeten sie kurzerhand einen Töchternchor. Unterstützt wurden sie in ihrem Vorhaben vom Dirigenten des Gemischten Chors, Herr Bünzli, der gleich ihr erster Dirigent wurde; er war gleichzeitig der Dorfschullehrer.

 

Gründungsversammlung vom 13. Januar 1920

 

Auszüge aus den ersten Statuten (wortgetreu): 

 

Ø  Der Verein bezweckt die Ausbildung der Mitglieder in Gesang durch regelmässige Übungen.

 

Ø  Die Förderung der Geselligkeit im Verein durch Mitwirkung bei festlichen Anlässen.

 

Ø  Mitglieder, welche sich verheiraten oder ihren Wohnort wechseln und doch dem Verein angehören wollen, können vom Aktiv- zu Passivmitglied übertreten.

 

Ø  Auf Gutfinden des Vorstandes können jederzeit ausserordentliche Versammlungen einberufen werden.

 

Ø  Austretende Mitglieder haben ein Austrittsgeld von 4 Franken zu bezahlen. Solche, die den Ort verlassen, haben freien Austritt.

 

Ø  Aktivmitglieder zahlen ein Monatsgeld von 30 Rappen, unentschuldigtes Ausbleiben wird mit 30 Rappen, zu spätes Erscheinen oder zu frühes Entfernen mit 10 Rappen gebüsst.

 

Ø  Gesangsübungen, Versammlungen sowie Teilnahme an festlichen Anlässen sind für alle Aktivmitglieder obligatorisch.
Als Entschuldigung gelten Krankheit und Todesfall in der Familie.

Andere Zeiten, andere Sitten!

 

 

 

Erster Auftritt

Als erster Auftritt des Töchternchors fand in der Kirche Altikon ein Frühlingskonzert statt. Unterstützt wurden sie vom Männerchor und, man höre und staune, von der Musikgesellschaft Kefikon-Ellikon. Anschliessend wurde im Saal des Restaurants Thurtal bei Gesang, Spiel und Tanz bis tief in die Nacht weitergefeiert. Und dies an einem Sonntag.

Töchternchor unter der Leitung von Dirigent Herr Bünzli
Töchternchor unter der Leitung von Dirigent Herr Bünzli

 

Erste Vereinsreise

 

Im Frühjahr 1921 planten die Töchter eine erste Vereinsreise. Zwei Vorschläge standen zur Diskussion:

 

1.    Besammlung auf dem Dorfplatz, zu Fuss zum Bahnhof, mit der Bahn nach Winterthur, zu Fuss zum Schloss Kyburg mit anschliessender Schlossbesichtigung. Dann weiter zu Fuss nach Russikon und Pfäffikon. Zurück nach Hause mit der Bahn.

 2.    Von Altikon über Oberneunforn, Benken, Rheinfall, nach Schaffhausen; natürlich zu Fuss und anschliessend mit der Bahn zurück.

 

Schon damals kam beim Töchternchor Geselligkeit vor Fitness und sie entschieden sich für die erste Variante.

Der Tag der Reise wurde spontan am Vortag entschieden unter dem Motto

 

Morgen ist das Wetter schön, also verreisen wir!

 

 

Generalversammlung 1923

An der Generalversammlung 1923 kam es fast zu einem Eklat, da die gesamten Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt erklärten. Leider sind die Gründe nirgends aufgeführt. Nach langem Hin und Her machte die Präsidentin für ein Jahr weiter. Eine Aktuarin wurde aus der Versammlung vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Diese lehnte aber die Wahl entschieden ab! Also musste die Wahl wiederholt werden.

 

Nachdem der Vorstand wieder komplett war, wurde noch um die Finanzen gefeilscht.

 

Es wurde beschlossen, die Besoldung für den Dirigenten bei 150 Franken im Jahr zu belassen. Um die Kasse zu schonen, soll jedes Mitglied fünf Franken aus eigener Tasche bezahlen.

 

Der Monatsbeitrag für die Aktiven wird von 30 auf 40 Rappen erhöht.

Verspätungsbussen an Hauptproben und Anlässen werden auf 50 Rappen und Nichterscheinen auf einen Franken erhöht.

An einer solchen Versammlung und der Generalversammlung wurden immer zwei Stimmenzählerinnen gewählt. Offensichtlich war dies auch nötig, da sich die Töchter selten einig waren.

 

 Erster Sängertag in Altikon im Juli 1923

 

Der Festplatz befand sich unterhalb des heutigen Obstgartens und der Sängertag wurde unter freiem Himmel abgehalten.

An diesem Morgen war das Wetter der Festgemeinde nicht sehr freundlich gesonnen; trotzdem wurde beschlossen, den Sängertag durchzuführen.

Um halb zehn Uhr machten sich die Chöre, unterstützt von der Musikgesellschaft Kefikon-Ellikon, auf den Weg Richtung Thalheim, um ihre Patensektion abzuholen. Gemeinsam ging es wieder Richtung Festplatz.

 

Nachdem endlich alle teilnehmenden Chöre, natürlich zu Fuss, eingetroffen waren, begann um vierzehn Uhr der Sängertag; wohlverstanden mit mindestens einer Stunde Verspätung. Von 17.00 bis 18.30 Uhr fand die Fahnenweihe statt.

Um 20 Uhr sollte die Unterhaltung beginnen. Da das Wetter aber immer schlechter wurde, machten sich leider viele Besucher auf den Heimweg; sie waren ja schliesslich zu Fuss angereist.

Man entschloss sich trotzdem, die Unterhaltung durchzuführen. Diese musste jedoch bald wegen eines schrecklichen Gewitters abgebrochen werden. Das Gewitter war bald vorüber und weil eine flotte Musik zum Tanz aufspielte, wurde es doch noch Mitternacht.

Der Montag brachte Sonnenschein und man beschloss spontan, die Unterhaltung am Abend nochmals durchzuführen. Wiederum dauerte das Fest bis spät nach Mitternacht.

 

Da noch viele Würste und Brötchen übrig geblieben waren, gingen die Mitglieder des Töchterchors am nächsten Morgen von Haus zu Haus und verkauften diese.

Der Reingewinn des Sängertags wurde nicht auf die hohe Kante gelegt, sondern man plante eine gemeinsame Reise mit dem Männerchor. Diese Tradition wurde beibehalten. Immer wenn die beiden Vereine ein Fest gemeinsam durchführten, ging man zusammen auf eine zweitägige Reise.

 

Aufmarsch der Chöre zu einem Sängertag
Aufmarsch der Chöre zu einem Sängertag

 

Besuch des Sängertages in Niederneunforn (1937)

 

 

Erste gemeinsame Reise mit dem Männerchor vom 11./12. September 1923

 

 

 

Zu Fuss machte sich die fröhliche Schar morgens um halb sechs Uhr auf den Weg zum Bahnhof. Mit dem Zug ging es Richtung Luzern. Das Tagesziel war der Pilatus.

 

Obwohl sie den Pilatus zu Fuss besteigen mussten, hatten sie gar keine Eile.

 

In Luzern war ein langer Aufenthalt geplant und auch vor dem Aufstieg gönnte man sich Zeit für das Mittagessen und einen Jass. Als es dann endlich los ging, dachte doch der eine oder andere „ach Gott, wenn wir nur schon oben wären“.

 

Es gab schon früher einen Altiker, der sein Örgeli überall hin mitnahm; er hiess Fritz Peter, heute heisst er Fabian Häusler. 

 

Nach dem Nachtessen spielte er zum Tanz auf und es heisst, dass in dieser Nacht sehr wenig geschlafen wurde, da die Altiker die einzigen Gäste waren. Trotzdem erschienen alle vollzählig um halb sieben Uhr zum Morgenessen, schliesslich musste man auch wieder den Berg hinunter. Auch der zweite Tag wurde in vollen Zügen genossen. Man verreist ja nicht alle Tage.

 

Luzern mit Pilatus ca. 1930
Luzern mit Pilatus ca. 1930

Die ersten ca. 25 Jahre des Töchterchors waren laut
Protokoll ziemlich turbulent!


Schon fünf Jahre nach der Gründung wurde darüber diskutiert, die Gesangsstunden mangels Sängerinnen einzustellen.

 


                         

                         Heute stehen wir zwar nicht schlecht da, wären aber für neue Sängerinnen
                                                                    sehr dankbar!


Trotzdem, oder gerade deshalb, plante man im Jahre 1925 die erste gemeinsame Abendunterhaltung mit dem Männerchor.


Der Terminplan sah folgendermassen aus:

  • Hauptprobe am Silvesterabend!
  • 1. Aufführung am Abend des 2. Januar
  • 2. Aufführung am Nachmittag des 3. Januar
An dieser Stelle haben wir uns doch etwas gewundert!
Am 2. Januar findet doch die traditionelle „Berchtelisgemeinde“ statt.
Da hat Ingrid Bachmann dann doch der „Gwunder“ gestochen und sie hat mit Frau Hubmann im Gemeindearchiv alte Protokolle durchgestöbert und die beiden sind fündig geworden.
Früher fand die Budgetversammlung im Januar oder Februar in der Kirche statt. Erst 1954 wird erwähnt, dass es nach der Versammlung einen Schüblig und einen halben Liter Weisswein für alle anwesenden Stimmberechtigten gab und diese Versammlung wurde am 2. Januar abgehalten. Der Ort ist nicht vermerkt, wahrscheinlich im Gemeindesaal.
Am Rande sei vermerkt: Es waren 126 Stimmberechtigt anwesend und der Spass
kostete die Gemeinde die stolze Summe von Fr. 396.–.

 

Zurück zur Unterhaltung, früher „Kränzli“ genannt. Es beinhaltete folgendes Programm:

  • Einige Liedervorträge von beiden Vereinen
  • Ein bis zwei Theaterstücke (bei einem Einakter waren es meistens zwei bis drei Stücke)
  • und zum Schluss wurden noch ein bis zwei Reigen aufgeführt.
Plakat der ersten gemeinsamen Unterhaltung 1925
Plakat der ersten gemeinsamen Unterhaltung 1925

Der Reingewinn dieser Unterhaltung wurde natürlich in eine zweitätige Reise investiert,
in was sonst!
Als Entschuldigung fürs nicht Mitkommen wurde nur Krankheit oder ein Todesfall akzeptiert.


Geld benötigte man aber auch für Hochzeitsgeschenke; es handelte sich damals ja um einen Töchterchor und nicht um einen Frauenchor.
Jedes Mitglied durfte sich ein Geschenk im Wert von Fr. 50.– aussuchen. Für die damalige Zeit ein grosszügiger Betrag.


Am Anfang entschieden sich die meisten Töchter für ein Bügeleisen. Erst im Laufe der Zeit wurden die Wünsche individueller.


Im Jahre 1927 heirateten gleich vier Mitglieder, was die Kasse doch arg strapazierte. In der Folge beschloss man, den Betrag auf Fr. 30.– zu reduzieren.


Infolge Heirat oder Ortswechsel gab es sehr viele Austritte. Es kamen aber auch immer wieder neue junge Töchter dazu. Über alle Ein- und Austritte musste eine Versammlung einberufen und darüber
abgestimmt werden.


Im Jahre 1929 wollte ein Mitglied vom Aktiv- zum Passivmitglied wechseln. Dazu heisst es im Protokoll wörtlich:
                     „Da sie keinen Grund hat, sich vom Verein zu drücken, wird der Übertritt
                                                            einstimmig abgelehnt.“


Da der Verein ein paar Jahre später wieder ums Überleben kämpfte, wurde beschlossen, auch Passivmitglieder, das heisst verheiratete Frauen, mitsingen zu lassen.


1930 fand in Altikon wiederum ein Sängertag im üblichen Rahmen statt. Leider hatten sie auch dieses Mal kein Wetterglück und das Abendprogramm musste abermals auf den Montagabend verschoben werden.
                                            Eigentlich gab es ein Verschiebungsdatum!


Aber wenn am Mittag noch die Sonne lachte und am Abend ein Gewitter aufzog, dauerte der Sängertag eben zwei Tage; früher scheinbar kein Problem.


Wer glaubt, Emanzipation sei ein Modewort aus den Jahren als das Frauenstimmrecht
eingeführt wurde, irrt gewaltig. Schon vor fast 100 Jahren waren die Frauen in Altikon nicht immer mir den Männern einig.

 

1933 wollte der Töchterchor deshalb eine eigene Unterhaltung durchführen. Die Männer aber streikten und wollten auf keinen Fall bei den Theaterstücken mithelfen, also verzichtete man.


Ab 1942 tauchen Namen auf, die sicher heute dem einen oder andern noch bekannt
sind und die zum Teil bis heute mit unserem Verein verbunden sind.

 

Es sind dies
Leni Schnell, sie wohnt immer noch an der Neunfornerstrasse
Elise Mathis, sie wurde in den Verein aufgenommen und gleich zur Präsidentin gewählt
Hilde Kernen, sie wohnt im Chratz
Ida Baumer, (gestorben im Dezember 2018)
Ruth Ramseier, sie wohnt im Kellerhöfli und singt noch aktiv
Rösli Kernen, wohnt im Chratz; auch sie singt noch aktiv im Verein
Rosmarie Müller, wohnt am Chratzweg 8.

Selbstverständlich ist die Liste nicht vollständig.

 

Noch ein Kuriosum zum Schluss:
1944 organisierte der Töchterchor eine Gemeindestubete. Am Nachmittag wurde gestrickt und am Abend sass man dann gemütlich zusammen, das heisst drei Theaterstücke wurden aufgeführt, es wurde gesungen und getanzt, natürlich mit einer Tanzmusik.
Die Durchführung am 13. März war ein voller Erfolg und so beschloss man, sie am 18. März nochmals durchzuführen.
                                                     Was waren die Leute früher spontan!