Chronik

 

Wie alles begann:

Vor über 100 Jahren gab es in Altikon einen Männerchor und einen Gemischten Chor. Aus Mangel an kräftigen Männerstimmen wurde der Gemischte Chor aufgelöst.

 

Die Töchter des Dorfes wünschten aber weiter zu singen und so gründeten sie kurzerhand einen Töchternchor. Unterstützt wurden sie in ihrem Vorhaben vom Dirigenten des Gemischten Chors, Herr Bünzli, der gleich ihr erster Dirigent wurde; er war gleichzeitig der Dorfschullehrer.

 

Gründungsversammlung vom 13. Januar 1920

 

Auszüge aus den ersten Statuten (wortgetreu): 

 

Ø  Der Verein bezweckt die Ausbildung der Mitglieder in Gesang durch regelmässige Übungen.

 

Ø  Die Förderung der Geselligkeit im Verein durch Mitwirkung bei festlichen Anlässen.

 

Ø  Mitglieder, welche sich verheiraten oder ihren Wohnort wechseln und doch dem Verein angehören wollen, können vom Aktiv- zu Passivmitglied übertreten.

 

Ø  Auf Gutfinden des Vorstandes können jederzeit ausserordentliche Versammlungen einberufen werden.

 

Ø  Austretende Mitglieder haben ein Austrittsgeld von 4 Franken zu bezahlen. Solche, die den Ort verlassen, haben freien Austritt.

 

Ø  Aktivmitglieder zahlen ein Monatsgeld von 30 Rappen, unentschuldigtes Ausbleiben wird mit 30 Rappen, zu spätes Erscheinen oder zu frühes Entfernen mit 10 Rappen gebüsst.

 

Ø  Gesangsübungen, Versammlungen sowie Teilnahme an festlichen Anlässen sind für alle Aktivmitglieder obligatorisch.
Als Entschuldigung gelten Krankheit und Todesfall in der Familie.

Andere Zeiten, andere Sitten!

 

 

 

Erster Auftritt

Als erster Auftritt des Töchternchors fand in der Kirche Altikon ein Frühlingskonzert statt. Unterstützt wurden sie vom Männerchor und, man höre und staune, von der Musikgesellschaft Kefikon-Ellikon. Anschliessend wurde im Saal des Restaurants Thurtal bei Gesang, Spiel und Tanz bis tief in die Nacht weitergefeiert. Und dies an einem Sonntag.

Töchternchor unter der Leitung von Dirigent Herr Bünzli
Töchternchor unter der Leitung von Dirigent Herr Bünzli

 

Erste Vereinsreise

 

Im Frühjahr 1921 planten die Töchter eine erste Vereinsreise. Zwei Vorschläge standen zur Diskussion:

 

1.    Besammlung auf dem Dorfplatz, zu Fuss zum Bahnhof, mit der Bahn nach Winterthur, zu Fuss zum Schloss Kyburg mit anschliessender Schlossbesichtigung. Dann weiter zu Fuss nach Russikon und Pfäffikon. Zurück nach Hause mit der Bahn.

 2.    Von Altikon über Oberneunforn, Benken, Rheinfall, nach Schaffhausen; natürlich zu Fuss und anschliessend mit der Bahn zurück.

 

Schon damals kam beim Töchternchor Geselligkeit vor Fitness und sie entschieden sich für die erste Variante.

Der Tag der Reise wurde spontan am Vortag entschieden unter dem Motto

 

Morgen ist das Wetter schön, also verreisen wir!

 

 

Generalversammlung 1923

An der Generalversammlung 1923 kam es fast zu einem Eklat, da die gesamten Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt erklärten. Leider sind die Gründe nirgends aufgeführt. Nach langem Hin und Her machte die Präsidentin für ein Jahr weiter. Eine Aktuarin wurde aus der Versammlung vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Diese lehnte aber die Wahl entschieden ab! Also musste die Wahl wiederholt werden.

 

Nachdem der Vorstand wieder komplett war, wurde noch um die Finanzen gefeilscht.

 

Es wurde beschlossen, die Besoldung für den Dirigenten bei 150 Franken im Jahr zu belassen. Um die Kasse zu schonen, soll jedes Mitglied fünf Franken aus eigener Tasche bezahlen.

 

Der Monatsbeitrag für die Aktiven wird von 30 auf 40 Rappen erhöht.

Verspätungsbussen an Hauptproben und Anlässen werden auf 50 Rappen und Nichterscheinen auf einen Franken erhöht.

An einer solchen Versammlung und der Generalversammlung wurden immer zwei Stimmenzählerinnen gewählt. Offensichtlich war dies auch nötig, da sich die Töchter selten einig waren.

 

 Erster Sängertag in Altikon im Juli 1923

 

Der Festplatz befand sich unterhalb des heutigen Obstgartens und der Sängertag wurde unter freiem Himmel abgehalten.

An diesem Morgen war das Wetter der Festgemeinde nicht sehr freundlich gesonnen; trotzdem wurde beschlossen, den Sängertag durchzuführen.

Um halb zehn Uhr machten sich die Chöre, unterstützt von der Musikgesellschaft Kefikon-Ellikon, auf den Weg Richtung Thalheim, um ihre Patensektion abzuholen. Gemeinsam ging es wieder Richtung Festplatz.

 

Nachdem endlich alle teilnehmenden Chöre, natürlich zu Fuss, eingetroffen waren, begann um vierzehn Uhr der Sängertag; wohlverstanden mit mindestens einer Stunde Verspätung. Von 17.00 bis 18.30 Uhr fand die Fahnenweihe statt.

Um 20 Uhr sollte die Unterhaltung beginnen. Da das Wetter aber immer schlechter wurde, machten sich leider viele Besucher auf den Heimweg; sie waren ja schliesslich zu Fuss angereist.

Man entschloss sich trotzdem, die Unterhaltung durchzuführen. Diese musste jedoch bald wegen eines schrecklichen Gewitters abgebrochen werden. Das Gewitter war bald vorüber und weil eine flotte Musik zum Tanz aufspielte, wurde es doch noch Mitternacht.

Der Montag brachte Sonnenschein und man beschloss spontan, die Unterhaltung am Abend nochmals durchzuführen. Wiederum dauerte das Fest bis spät nach Mitternacht.

 

Da noch viele Würste und Brötchen übrig geblieben waren, gingen die Mitglieder des Töchterchors am nächsten Morgen von Haus zu Haus und verkauften diese.

Der Reingewinn des Sängertags wurde nicht auf die hohe Kante gelegt, sondern man plante eine gemeinsame Reise mit dem Männerchor. Diese Tradition wurde beibehalten. Immer wenn die beiden Vereine ein Fest gemeinsam durchführten, ging man zusammen auf eine zweitägige Reise.

 

Aufmarsch der Chöre zu einem Sängertag
Aufmarsch der Chöre zu einem Sängertag

 

Besuch des Sängertages in Niederneunforn (1937)

 

 

Erste gemeinsame Reise mit dem Männerchor vom 11./12. September 1923

 

 

 

Zu Fuss machte sich die fröhliche Schar morgens um halb sechs Uhr auf den Weg zum Bahnhof. Mit dem Zug ging es Richtung Luzern. Das Tagesziel war der Pilatus.

 

Obwohl sie den Pilatus zu Fuss besteigen mussten, hatten sie gar keine Eile.

 

In Luzern war ein langer Aufenthalt geplant und auch vor dem Aufstieg gönnte man sich Zeit für das Mittagessen und einen Jass. Als es dann endlich los ging, dachte doch der eine oder andere „ach Gott, wenn wir nur schon oben wären“.

 

Es gab schon früher einen Altiker, der sein Örgeli überall hin mitnahm; er hiess Fritz Peter, heute heisst er Fabian Häusler. 

 

Nach dem Nachtessen spielte er zum Tanz auf und es heisst, dass in dieser Nacht sehr wenig geschlafen wurde, da die Altiker die einzigen Gäste waren. Trotzdem erschienen alle vollzählig um halb sieben Uhr zum Morgenessen, schliesslich musste man auch wieder den Berg hinunter. Auch der zweite Tag wurde in vollen Zügen genossen. Man verreist ja nicht alle Tage.

 

Luzern mit Pilatus ca. 1930
Luzern mit Pilatus ca. 1930

Die ersten ca. 25 Jahre des Töchterchors waren laut
Protokoll ziemlich turbulent!


Schon fünf Jahre nach der Gründung wurde darüber diskutiert, die Gesangsstunden mangels Sängerinnen einzustellen.

 


                        

Heute stehen wir zwar nicht schlecht da, wären aber für neue Sängerinnen sehr dankbar!


Trotzdem, oder gerade deshalb, plante man im Jahre 1925 die erste gemeinsame Abendunterhaltung mit dem Männerchor.


Der Terminplan sah folgendermassen aus:

  • Hauptprobe am Silvesterabend!
  • 1. Aufführung am Abend des 2. Januar
  • 2. Aufführung am Nachmittag des 3. Januar
An dieser Stelle haben wir uns doch etwas gewundert!
Am 2. Januar findet doch die traditionelle „Berchtelisgemeinde“ statt.
Da hat Ingrid Bachmann dann doch der „Gwunder“ gestochen und sie hat mit Frau Hubmann im Gemeindearchiv alte Protokolle durchgestöbert und die beiden sind fündig geworden.
Früher fand die Budgetversammlung im Januar oder Februar in der Kirche statt. Erst 1954 wird erwähnt, dass es nach der Versammlung einen Schüblig und einen halben Liter Weisswein für alle anwesenden Stimmberechtigten gab und diese Versammlung wurde am 2. Januar abgehalten. Der Ort ist nicht vermerkt, wahrscheinlich im Gemeindesaal.
Am Rande sei vermerkt: Es waren 126 Stimmberechtigt anwesend und der Spass
kostete die Gemeinde die stolze Summe von Fr. 396.–.

 

Zurück zur Unterhaltung, früher „Kränzli“ genannt. Es beinhaltete folgendes Programm:

  • Einige Liedervorträge von beiden Vereinen
  • Ein bis zwei Theaterstücke (bei einem Einakter waren es meistens zwei bis drei Stücke)
  • und zum Schluss wurden noch ein bis zwei Reigen aufgeführt.
Plakat der ersten gemeinsamen Unterhaltung 1925
Plakat der ersten gemeinsamen Unterhaltung 1925

Der Reingewinn dieser Unterhaltung wurde natürlich in eine zweitätige Reise investiert, in was sonst!
Als Entschuldigung fürs nicht Mitkommen wurde nur Krankheit oder ein Todesfall akzeptiert.


Geld benötigte man aber auch für Hochzeitsgeschenke; es handelte sich damals ja um einen Töchterchor und nicht um einen Frauenchor.
Jedes Mitglied durfte sich ein Geschenk im Wert von Fr. 50.– aussuchen. Für die damalige Zeit ein grosszügiger Betrag.


Am Anfang entschieden sich die meisten Töchter für ein Bügeleisen. Erst im Laufe der Zeit wurden die Wünsche individueller.


Im Jahre 1927 heirateten gleich vier Mitglieder, was die Kasse doch arg strapazierte. In der Folge beschloss man, den Betrag auf Fr. 30.– zu reduzieren.


Infolge Heirat oder Ortswechsel gab es sehr viele Austritte. Es kamen aber auch immer wieder neue junge Töchter dazu. Über alle Ein- und Austritte musste eine Versammlung einberufen und darüber
abgestimmt werden.


Im Jahre 1929 wollte ein Mitglied vom Aktiv- zum Passivmitglied wechseln. Dazu heisst es im Protokoll wörtlich:
                     „Da sie keinen Grund hat, sich vom Verein zu drücken, wird der Übertritt
                                                            einstimmig abgelehnt.“


Da der Verein ein paar Jahre später wieder ums Überleben kämpfte, wurde beschlossen, auch Passivmitglieder, das heisst verheiratete Frauen, mitsingen zu lassen.


1930 fand in Altikon wiederum ein Sängertag im üblichen Rahmen statt. Leider hatten sie auch dieses Mal kein Wetterglück und das Abendprogramm musste abermals auf den Montagabend verschoben werden.
                                            Eigentlich gab es ein Verschiebungsdatum!


Aber wenn am Mittag noch die Sonne lachte und am Abend ein Gewitter aufzog, dauerte der Sängertag eben zwei Tage; früher scheinbar kein Problem.


Wer glaubt, Emanzipation sei ein Modewort aus den Jahren als das Frauenstimmrecht
eingeführt wurde, irrt gewaltig. Schon vor fast 100 Jahren waren die Frauen in Altikon nicht immer mir den Männern einig.

 

1933 wollte der Töchterchor deshalb eine eigene Unterhaltung durchführen. Die Männer aber streikten und wollten auf keinen Fall bei den Theaterstücken mithelfen, also verzichtete man.


Ab 1942 tauchen Namen auf, die sicher heute dem einen oder andern noch bekannt
sind und die zum Teil bis heute mit unserem Verein verbunden sind.

 

Es sind dies
Leni Schnell, sie wohnt immer noch an der Neunfornerstrasse
Elise Mathis, sie wurde in den Verein aufgenommen und gleich zur Präsidentin gewählt
Hilde Kernen, sie wohnt im Chratz
Ida Baumer, (gestorben im Dezember 2018)
Ruth Ramseier, sie wohnt im Kellerhöfli und singt noch aktiv
Rösli Kernen, wohnt im Chratz; auch sie singt noch aktiv im Verein
Rosmarie Müller, wohnt am Chratzweg 8.

Selbstverständlich ist die Liste nicht vollständig.

 

Noch ein Kuriosum zum Schluss:
1944 organisierte der Töchterchor eine Gemeindestubete. Am Nachmittag wurde gestrickt und am Abend sass man dann gemütlich zusammen, das heisst drei Theaterstücke wurden aufgeführt, es wurde gesungen und getanzt, natürlich mit einer Tanzmusik.
Die Durchführung am 13. März war ein voller Erfolg und so beschloss man, sie am 18. März nochmals durchzuführen.
                                                     Was waren die Leute früher spontan!

Weiter geht es mit unserem Vereins- und Dorfrückblick.

 

Wir hoffen, sie haben sich auch einmal die Zeit genommen, unsere Zeilen zu lesen und haben, wie wir, über das eine oder andere gestaunt oder geschmunzelt. Alles aufzuschreiben würde sicher den Rahmen der Artikel sprengen. Deshalb machen wir einen Sprung ins Jahr 1965.

 

In diesem Jahr war ein grosses Fest zusammen mit dem Schützenverein geplant. Alles war bestellt, organisiert und zum Teil schon aufgebaut, als die Thur allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung machte. Hochwasser überflutete die gesamte Ebene. Pech, dass das Fest in Feldi stattfinden sollte. Das Ganze musste abgesagt werden! Wer schon einmal so ein Hochwasser erlebt hat, weiss, dass wenn das Wasser dann abgeflossen ist, eine Riesenarbeit bevorsteht, um alles wieder aufzuräumen, zu putzen und zu trocknen; ganz zu schweigen von den vernichteten Kulturen. 

Hochwasser Thur 1965
Hochwasser Thur 1965

Im gleichen Jahr musste auch die Abendunterhaltung abgesagt werden, dieses Mal wegen der Maul- und Klauenseuche. Das Singen wurde ebenfalls bis zum Frühjahr eingestellt, um einer weiteren Verbreitung dieser schlimmen Seuche vorzubeugen. 

 

Wie am Anfang erwähnt, gäbe es noch viel zu berichten, in den Protokollbüchern sind aber vor allem Reiseberichte und Generalversammlungen zu finden. 

 

Hier aber doch noch ein Reisebericht aus dem Jahr 1950, geschrieben von der kürzlich verstorbenen Ida Baumer-Häusler. Damals war die Aktuarin, aber auch später hat sie für sich alle Details einer Vereinsreise aufgeschrieben.

Wenn man selber etwas nicht mehr wusste, nicht verzagen, Ida fragen!

 

Frauen- und Töchterchorreise vom 29. Juni 1950 auf die Lenzerheide

Lenzerheide mit Heidsee
Lenzerheide mit Heidsee

"Ein sonnenklarer Sommermorgen lag über unserem Tal. Um 5.30 Uhr fand sich die ganze Reisegesellschaft auf dem Dorfplatz ein. Ein flotter Autocar brauste heran und nahm unsere muntere Schar auf. Auf allen Gesichtern lad Freude, die Sorgen des Alltags waren für Stunden vergessen. 

 

Jauchzend verabschiedeten wir uns von unserem Dorf und den Zurückgebliebenen. Es begann sich zu regnen in unserem Wagen und bald ertönten die ersten Lieder. Die Fahrt nach Wil brachte nicht viel Neues, doch von hier aus gab es viel zu bestaunen. Auf saftig grünen Wiesen weideten Kühe und Rinder, Glockengeläute ertönte - wir befanden uns im Toggenburg. Hier war die Thur ein Stück unsere Begleiterin, jedoch in Wattwil verliessen wir sie und wandten uns dem Ricken zu. Hier oben öffneten sich ein ganz neues Blickfeld. Vor uns lag die Linthebene, dahinter standen majestätisch die Glarneralpen und rechts lag ausgebreitet der Zürichsee.

 

Allmählich machte sich der Hunger bemerkbar und wir schmausten von unserem Proviant. Es herrschte gemütliche Stimmung und unsere jüngsten Vereinsmitglieder sorgten für gute Unterhaltung. Wer sollte sich da nicht freuen, an diesem schönen Tag?

 

Immer romantischer wurde die Fahrt, rechts und links erhoben sich neue Berge und weiteten sich wieder Täler. Links standen Speer, rechts Glärnisch und Mürtschenstock und zwischen Riesen eingebettet lag das Linthtal. In vielen Windungen erreichten wir den Kerenzerberg und das Dorf Obsthalden. Hier legte der Chauffeur einen Zwischenhalt ein. Eine wunderschöne Aussicht bot sich von hier aus. Zu unseren Füssen lag der blaugrüne Walensee, in dessen Fluten sich die Churfirsten widerspiegelten.

 

Weiter ging die Fahrt nach Sargans, Ragaz, Landquart und somit waren wir in Rheintal angekommen. Bald langten wir in Bünden's Hauptort an. Auch hier reichte es wieder zu einem halbstündigen Aufenthalt. Nur zu bald waren diese Minuten verflossen. Bald lag Chur schon unter uns und immer höher gelangten wir in die herrliche Alpenwelt. Im Hintergrund als Talabschluss erhob sich der Calanda, links erkannten wir das Schanfigg und vor uns erhoben sich himmelanstrebende Berge, ein prächtiges Alpenpanorama bildete dies alles.

 

Ganz unversehenes hatten wir die Passhöhe erreicht und von ferne grüsste uns der Heidesee. Im Hotel "Post" in Valbella wartete ein reichlies Mittagessen auf uns. Drei volle Stunden Freizeit waren uns auf diesem schönen Flecklein Erde vergönnt. Einige liessen es sich nicht nehmen, auf die Höhen zu steigen und Alpenrosen zu pflücken. Ein schöner Spaziergang führte uns dem lieblichen Heideseelein entlang ins Dörfchen Lenzerheide. Hier konnten wir so richtig die frische Bergluft geniessen, aber bald waren diese schönen Stunden verflossen und unser Reiseführer mahnte zum Aufbruch. 

Nun ging die Fahrt auf demselben Weg wieder zurück nach Landquart. Und nochmals liessen wir die schöne Landschaft an unseren Augen vorüberziehen. Durch die Rebberge von Malans und Maienfeld über die Luziensteig gelangten wir ins Ländchen Lichtenstein. In Vaduz löschten wir unseren Durst und erlebten auch hier wieder ein gemütliches halbes Stündchen. Wir bewunderten aber auch das stolze Schloss hoch über dem Städtchen. Singend nahmen wir Abschied von unserem "Nachbarländchen" und wandten uns wieder der Heimat zu. Alles lag im Glanz der goldenen Abendsonne und der Säntis mit seinen Nachbarn grüsste uns von einer ganz anderen Seite, als wir es uns sonst gewohnt sind. 

Rasch erklommen wir die Höhe von Wildhaus und es tat sich wieder eine neue Landschaft auf. Nach kurzen Halt setzten wir unsere Fahrt weiter zur letzten Etappe. Langsam begann es zu dämmern, aber umso lebendiger wurde es in unserer "Kutsche", man erzählte sich Erlebnisse vom heutigen Tag.

Lichter flitzten an uns vorbei und allmählich erkannten wir wieder bekannte Dörfer und Hügel. Singend kehrten wir ins stille Dorf ein, wo wir von unseren Lieben erwartet wurden.

 

Nun war der schöne Tag schon vorbei, auf den wir uns so unendlich freuten, aber all das, was wir sehen und erleben durften, werden wir in guter Erinnerung behalten."

 

Altikon, im Juli 1950

Ida Häusler

Wehe, wenn sie losgelassen!

1. Teil

Das Leben der Frauen war geprägt durch harte Arbeit im Haus und auf dem Hof. Hilfsmittel, wie wir sie kennen, gab es noch nicht. Auch auf dem Feld mussten die Frauen tatkräftig mithelfen. Das allwöchentliche Singen war dann eine willkommene Abwechslung. Man konnte an diesem Abend den harten Alltag und die Sorgen vergessen. So kam es dann öfters vor, dass die Frauen keine Eile hatten, nach Hause zu kommen und es weit nach Mitternacht war, als sie endlich den Heimweg fanden. 

 

Nachfolgend ein paar Beispiele. Die Informantinnen wollen aus verständlichen Gründen nicht namentlich erwähnt werden. Wir respektieren dies mit einem Augenzwinkern. 

 

  • Ein Wirtshausbesuch gehörte zu jeder Probe. Damals wurde das Restaurant Thurtal bevorzugt. Und, was trank man damals? Natürlich einen Omnibus!
    Sie wissen nicht, was ein Omnibus ist? Hier das Rezept:
    Sirup, Wasser und mehr oder weniger Kirsch
  • Wenn eine Sängerin zu Hause "Bireweggen" gebacken hatte und dies zufällig erwähnte, gab es für die Frauen kein Halten mehr und man marschierte zu später Stunde auch mal nach Feldi, um die "Weggen" zu probieren
  • Beliebt war auch nach dem Besuch im Thurtal, nachts um ein Uhr, der meist schon schlagenden Bevölkerung ein Nachtlies zu singen. Über die Begeisterung der Zuhörer ist nichts bekannt. 
  • Apropos singen zu nächtlicher Stunde und Freude der Zuhörer:
    Zwei Sängerinnen besuchten einmal einen Jodelkurs. Ein Mitglied des Männerchors hatte so den Plausch an den zwei jungen Frauen, dass diese beschlossen, natürlich auch erst nach diversen "Omnibussen", ihm noch folgendes Jodellied unter dem Schlafzimmerfenster zu singen:
"Härzli nimm di fescht in acht, hüt z'Nacht"
Der Männerchörler hatte seine helle Freude am nächtlichen Ständli! Nach Aussage einer der Jodlerinnen, seine Frau eher weniger!
So, für dieses Mal wurde genug aus dem "Nähkästchen" geplaudert. 

 

 

 

Wehe, wenn sie losgelassen!

2. Teil

 

Wie in der letzten Ausgabe versprochen, hier noch ein paar Anekdoten von früher.

 

Wenn man heute, zu nicht mal wirklicher später Stunde, durch das dunkle Dorf fährt, ist es kaum zu glauben, dass die Altiker bei besonderen oder auch weniger besonderen Gelegenheiten erst im Morgengrauen den Heimweg fanden. Nicht selten kam es vor, dass die Bauern vom Wirtshaus direkt in den Stall wechselten. 

An der 1. Augustfeier wartete man, bis der Funken so weit niedergebrannt war, dass er eine wunderbare Glut hatte, um zum "z Morge" nochmals Cervelats zu braten. 

 

Auch an Sängertagen in den benachbarten Gemeinden war allgemein bekannt, dass die Altiker die Letzten waren, die ans Heimgehen dachten. Sie selber sagten dazu nur, sie hätten von den Leuten auch einmal den Rücken sehen wollen. 

Ein solcher Anlass war auch die "Berchtelisgmeind". Dort sah man nicht selten Frauen, die zur Feier des Tages eine krumme Brissago rauchten!!!

Krumme Brissago
Krumme Brissago

Ebenfalls in der letzten Ausgabe haben wir Ihnen das Rezept für einen Omnibus verraten. Aber wissen Sie, was "Chrütermöcke" sind?

Das ist eine Art Fondue

Brot im Kräterschnaps getunkt, 

aber ohne Käse!

Diese "Chrütermöcke" wurden anlässlich der Geburt von Ruedi Häusler, vor genau 60 Jahren, ausprobiert und für sehr gut befunden.

Heute sind solche Eskapaden aus verschiedenen und auch verständlichen Gründen nicht mehr möglich.

 

Aus Gesprächen mit älteren Chormitgliedern zeigt sich auch, dass unsere Frauen eine gehörige Portion Humor besassen und der Schalk sitzt ihnen auch heute noch im Nacken, wenn sie von früher erzählen.

Als eine Sängerin die folgende Geschichte erzählte, merkte man ihr an, wie viel Freude ihr das Singen und die Gemeinschaft im Frauenchor auch heute noch bereitet. 

"Einmal sollte der ehemalige Lehrer und Dirigent Oskar Lutz von jemandem in der Gesangsprobe ein Backblech voll Bienenstich geschenkt erhalten. Da er noch nicht anwesend war, fanden die Frauen, ein ganzes Blech voll sei jetzt doch ein bisschen viel für einen einzelnen Mann. Sie begannen, Stück für Stück zu essen! Beim letzten Stück hatten sie kurz, aber wirkliche nur kurz, ein Einsehen und liessen es übrig. Dies aber nur lange, bis sie fanden "ein Stück sei kein Stück" und am Besten sei es, wenn er von diesem Kuchen gar nie etwas erfahre. Gesagt, getan. Auch das letzte Stück wurde vertilgt! Oskar Lutz hat nie etwas von diesem Bienenstich erfahren. 

So ein feiner Bienenstich
So ein feiner Bienenstich

Reise nach Holland vom 13. Mai 1973

Ein paar Zeilen ist sicher auch die viertägige Hollandreise im Jahre 1973 wert.

Unser "Flugi"
Unser "Flugi"

Zehn Jahre nach dem tragischen Flugzeugabsturz von Dürrenäsch, bei dem über 40 Personen aus dem nahen Humlikon um Leben kamen, beschlossen unsere Frauen mit dem Flugzeug nach Amsterdam zu reisen. Dass dies nicht gerade eitel Freude auslöste ist verständlich, waren doch hauptsächlich Mütter mir mehreren Kindern zu Hause mit von der Partie.

Auch das Reisedatum gab Anlass zu Diskussionen. Ausgerechnet am Muttertag wollten ca. 12 reiselustige Frauen verreisen. Alle Proteste halfen nichts. Die Frauen reisten und erlebten vier unvergessliche Tage. Die meisten sind zum ersten Mal geflogen und sahen auch zum ersten Mal das Meer!

Sie besuchten so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten: Den Keukenhof mit seinen fast endlos scheinenden Tulpenfeldern, Alkmaar, wo der berühmte Käsemarkt stattfand und natürlich Amsterdam. 

Am Mittag unternahm man eine Grachtenfahrt und am Abend besuchte man einen Nachtclub. Dieser Besuch gehörte natürlich zum Programm, sonst wäre man nie in einem solchen Schuppen gelandet. 

Kommentar einer Teilnehmerin: "Die hatten oben gar nichts an und unten nicht viel"

 

Wie es sich gehört, ging man auch auf die Suche nach einem Souvenir für die Daheimgebliebenen und landete am Schluss noch in einem Sexshop. Selbstverständlich gehörte auch diese zum Reiseprogramm, sonst wäre man da nie hineingegangen!

- Wer's glaubt-

So, genug aus dem "Nähkästchen" geplaudert. Ab der nächsten Ausgabe wenden wir uns wieder den geschriebenen Fakten, heisst den Protokollen des Frauenchors, zu.

 

 

Am Schluss des letzten Artikels stand geschrieben, dass wir uns nun wieder den Protokollen des Frauenchors widmen. Aus diesem Grund machen wir nochmals einen Schritt zurück ins Jahr 1970.
 

 
Dort steht in einem Protokoll einer gemeinsamen Sitzung mit dem Männerchor: «Da in naher Zukunft das Frauenstimmrecht Wirklichkeit wird, beschliessen die beiden Chöre, an der ‘Berchtelisgemeinde’ zwei Gemischtchorlieder zu singen.»
 – Bis anhin durften die Frauen an der ‘Berchtelisgemeinde’ nicht teilnehmen! –
 
Weiter steht im Protokoll: «Mit Befremden nehmen wir zur Kenntnis, dass der Gemeinderat, unter recht fadenscheinigen Vorwänden, das Mitsingen der Frauen ablehnt!?!»
 
Man höre und staune!!! 
Daraufhin verzichtete der Männerchor ebenfalls auf das Singen an der Gemeindeversammlung.
 
                                                                                                     ******

 

Altiker Festwoche 1974

 
Ja, Sie haben richtig gelesen, Festwoche nicht Festwochenende
Nach 1970 war dies das zweite, aber nicht das letzte Mal, dass in Altikon eine ganze Woche gefestet wurde; diesmal zusammen mit der Hornussergesellschaft Winterthur.
 
Am ersten Wochenende fand das Hornusserfest statt. Autocars und Privatautos, vornehmlich mit BE-Nummernschildern, fuhren in Altikon ein. Über 600 Hornusser waren im Einsatz. Nachdem sich der bekannte Thurtalnebel verzogen hatte, konnte mit dem Hornussen begonnen werden. 

Tagsüber war ’hornussen’ angesagt und für den Abend war ein weiteres Highlight vorgesehen: Ein grosser volkstümlicher Unterhaltungsabend mit Wysel Gyr; das war Stimmung pur!

 
Für die jüngeren Leser: Wysel Gyr (1927–1999) war und ist eine Volksmusikikone!
Nach dem Hornussen durfte am Sonntagabend das Tanzbein geschwungen werden. Und weil es so schön war, hat man am Mittwochabend gleich weiter gefestet.
Am Donnerstagabend fand traditionsgemäss die Gesamtchorprobe statt.
Das darauffolgende Wochenende war dann für die Sängerinnen und Sänger reserviert; wiederum mit einem grossen Unterhaltungsabend am Samstagabend. Zum Programm gehörte am Sonntagmorgen ein Festgottesdienst, am Nachmittag fand der Sängertag statt und am Abend ein damals sehr angesagter Je-ka-mi-Abend. Zum Abschluss durfte noch einmal das Tanzbein geschwungen werden.


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1977 gab der langjährige Dirigent seinen Rücktritt bekannt. Als Aushilfsdirigentin übernahm Ruth Kreck die Leitung des Frauen- und Töchterchors. Aus dieser Aushilfe wurden 22 Jahre!
Nebenbei bemerkt, auch unsere jetzige Dirigentin Beatrice Zbinden übernahm unseren Chor probeweise und auch bei ihr sind es unterdessen 20 Jahre.
«Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.»
Und Sie wissen ja, die «Altiker-Frauen» haben es gerne gemütlich und zufrieden. Vielleicht das Rezept, warum so viele Frauen schon Jahrzehnte im Chor mit dabei sind.

Im Jahre 1978 fand am gleichen Tag die GV des Frauenchors und des Schützenvereins statt. Die Frauen trafen sich in der «Kreuzstrasse» und die Schützen versammelten sich im «Thurtal».
Die Frauen wurden angefragt, ob sie nicht die Schützen-GV mit ein paar Liedern umrahmen könnten, was gutgeheissen wurde. So wurde die Versammlung kurzerhand unterbrochen und man wechselte für ein Ständchen das Lokal.
«Flexibel mues me si!»
Bis zum Jahre 1986 verhielt es sich bei den Abendunterhaltungen folgendermassen: Die beiden Vereine bekamen die Einnahmen für die Eintritte und den Erlös aus der Tombola. Anmerken muss man hier noch, dass sämtliche Preise für die Tombola gekauft wurden; Geschäfte um Spenden anzufragen gehörte sich damals nicht.
Gewirtet haben an den beiden Samstagen im Gemeindesaal abwechselnd die Wirte der beiden Restaurants. Die Vereine erhielten lediglich einen kleinen, sehr kleinen, prozentualen Anteil.
1987 war es dann soweit. Die Vereine durften, nach längerem Hin und Her mit den Wirten, die Festwirtschaft selber führen.
Vor dem Gemeindesaal stand der legendäre Bauwagen, der eigentlich eine Kaffeestube werden sollte, aber kurzerhand in eine Bar umfunktioniert wurde.
Manch einer erinnert sich sicher noch, dass er diesen Wagen nicht vor dem Morgengrauen (und wohl auch nicht mehr ganz nüchtern) verlassen hat. 

Unser Barwagen
Unser Barwagen

Dass der Frauenchor immer mit der Zeit ging zeigen die verschiedenen Namensänderungen. Hiess der Chor bei der Gründung «Töchterchor», wurde dieser etwas später in «Frauen- und Töchterchor» umbenannt. Ab 1990 lautete dann der offizielle Name «Frauenchor»; schliesslich ist das Wort «Fräulein» auch nicht mehr zeitgemäss. 


Die neuen Zeiten brachten auch Änderungen in den Protokollen. Die früheren Aktuarinnen schrieben ihre Protokolle ausführlich wie einen Aufsatz; die modernen Frauen haben sich eben auf das Wesentliche beschränkt.
 
Deshalb sind etwelche brisanten Details aus den Sitzungen leider nicht mehr ersichtlich.
 

Drei Highlights bis ins Jahr 2000 sind noch erwähnenswert.
 
Das 75-jährige Jubiläum 

Ein wirklich gelungenes Fest, so das Echo dieses Abends.

Hoffen wir, dass unser 100-Jähriges am 17. Mai 2020 ein ebenso positives Echo hervorruft.
 
Die Bundesfeier 1996

Anlässlich des Jubiläums ‘750 Jahre Altikon’

 

Unterhaltung 1999

Damals feierten wir 50 Jahre Gemeindesaal mit einem extra für die Gesangsvereine geschriebenen Festspiel.
 
So für dieses Mal lassen wir es dabei und widmen uns in der nächsten Ausgabe dem neuen Jahrtausend!